Ausführlich erklärt
Bei Dachflächen, Photovoltaikanlagen und Fassaden ist die Kombination aus Drohne und automatischer Bildauswertung verbreitet. Die Software sortiert Hunderte Aufnahmen vor und kennzeichnet Stellen, an denen sie eine Abweichung erkennt. Bei großen Flächen spart das Zeit.
Die physikalischen Grenzen der Messmethode bleiben, und die KI kommt als Fehlerquelle hinzu. Thermografie hängt von Emissionsgrad, Reflexionen, Einstrahlung, Blickwinkel, Wind, Tageszeit und Betriebszustand ab. Eine Markierung hat diese Randbedingungen nicht zwangsläufig berücksichtigt. Die Software erzeugt Fehlalarme, etwa bei einer Sonnenreflexion, und übersieht Befunde, die in ihren Trainingsbildern selten vorkamen. Eine thermische Auffälligkeit ist für sich genommen kein Feuchtenachweis.
Die markierten Stellen sind deshalb Kandidaten. Bewertung, Plausibilisierung vor Ort und Dokumentation der Messbedingungen bleiben Ihre Arbeit. Legt eine Partei eine KI-Auswertung vor, stellen sich dieselben Fragen: Welche Software in welcher Version, welche Einstellungen, welche Rohdaten, und wer hat die Markierungen geprüft?
Anforderungen an die Thermografie von Photovoltaikanlagen enthält IEC TS 62446-3. Für den Betrieb von Drohnen gilt die Durchführungsverordnung (EU) 2019/947.
Praxisregel
Behandeln Sie jede KI-Markierung als Prüfauftrag, nicht als Befund. Dokumentieren Sie die thermografischen Randbedingungen und bestätigen Sie entscheidende Stellen mit einem zweiten Verfahren.
Quellen
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 (Drohnenbetrieb); IEC TS 62446-3 (Thermografie an PV-Anlagen, Bezug über die Normungsorganisationen)
eur-lex.europa.eu
Verwandte Begriffe
- KI-manipulierte Schadensfotos – KI-manipulierte Schadensfotos sind Aufnahmen, die mit KI erzeugt oder verändert wurden; mit bloßem Auge sind sie oft nicht von echten zu unterscheiden.
- Automation Bias – Automation Bias ist die Neigung, Ergebnissen einer Maschine mehr zu vertrauen als dem eigenen Urteil und eigene Kontrollen zu unterlassen.