Ausführlich erklärt
KI-Bildbearbeitung ist heute in Smartphones und gängigen Foto-Apps eingebaut. Ein Wasserfleck lässt sich vergrößern, ein Riss im Estrich einfügen oder entfernen, ein Hagelschaden auf Dachziegel übertragen, in Sekunden und ohne Fachkenntnis. Parteien legen Fotos vor, die angeblich den Zustand vor der Sanierung, direkt nach dem Wasserschaden oder vor dem Sturm zeigen. Ob sie echt sind, sieht man ihnen nicht zwingend an.
Weniger bekannt ist das zweite Problem: Moderne Smartphone-Kameras bearbeiten Aufnahmen schon beim Auslösen. Sie schärfen, entrauschen, hellen Schatten auf und rekonstruieren Details. Nicht jede Optimierung ist eine Verfälschung. Bei einer Nahaufnahme von Haarrissen, Korrosion oder Holzschädlingsbefall kann sie aber den Befund verändern, auch auf Ihren eigenen Fotos.
Anhaltspunkte bieten die Metadaten einer Bilddatei (EXIF: Aufnahmezeit, Gerät, teils Standort) und Herkunftsnachweise nach dem Standard C2PA („Content Credentials“). Beides lässt sich entfernen oder fälschen, und Messenger-Dienste entfernen Metadaten oft beim Versand. Fehlende Metadaten beweisen keine Fälschung. KI-Detektoren für Bilder arbeiten nicht zuverlässig. Eine Kennzeichnungspflicht für Deepfakes nach Art. 50 Abs. 4 KI-VO trifft nur berufliche Verwender; darauf verlassen können Sie sich nicht.
Wie ein Foto als Beweismittel zu würdigen ist, entscheidet das Gericht. Ihre Aufgabe ist es, Herkunft und Aussagekraft zu dokumentieren.
Praxisregel
Fordern Sie Originaldateien statt Ausdrucken oder Messenger-Kopien an, dokumentieren Sie die Dateikette und bestätigen Sie entscheidende Bilddetails unabhängig, vor Ort oder durch Messung. Sichern Sie eigene Fotos unbearbeitet, wo möglich im Rohformat.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Amtsblattfassung
eur-lex.europa.eu
Verwandte Begriffe
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