Ausführlich erklärt
An vielen Stellen eines Textes kommen mehrere Wörter in Frage. Eine Schadensbehebung kann „schnell“ oder „rasch“ erfolgen. Bei Text-Wasserzeichen wie SynthID-Text, einem Verfahren von Google DeepMind, steuert ein geheimer Schlüssel diese Auswahl geringfügig. Wer den Schlüssel kennt, kann an einem ausreichend langen Text nachrechnen, ob die Wortfolge dem Muster entspricht. Genau genommen handelt es sich eher um einen statistischen Fingerabdruck.
Rechtlicher Hintergrund ist Art. 50 Abs. 2 der KI-Verordnung, der Anbieter generativer KI-Systeme zur maschinenlesbaren Kennzeichnung verpflichtet; für Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, ab 2. Dezember 2026. Anthropic hat am 14. August 2026 erläutert, Texte von Claude mit einer Variante des SynthID-Text-Verfahrens zu markieren. Nach Angaben des Unternehmens sind Modelle, die ab 2. August 2026 eingeführt werden, von Beginn an markiert; ältere Modelle sollen in den folgenden Monaten nachgerüstet werden. Ein festes Datum nennt Anthropic dafür nicht. Die Markierung gilt weltweit. Die Erkennung steht derzeit nur ausgewählten Stellen zur Verfügung, etwa Behörden, Medien und Forschungseinrichtungen.
Für Sachverständige sind zwei Punkte wichtig. Nach Angaben von Anthropic entfernt leichtes Bearbeiten das Muster in der Regel nicht, erst eine vollständige Neuformulierung. Eine Übersetzung durch Claude trägt selbst eine Markierung; wird ein markierter Text auf anderem Weg übersetzt, stark umformuliert oder mit anderem Material vermischt, kann sie verloren gehen. Bei kurzen Texten ist die Erkennung unsicher. Umgekehrt kann ein selbst geschriebener Text das Muster tragen, wenn ein markierendes Modell ihn umfassend überarbeitet hat, etwa bei einer sprachlichen Korrektur.
Ein positiver Test ist ein statistischer Hinweis auf ein markierendes Modell, kein Beweis, wer den Text verfasst hat. Ein negativer Test beweist nicht, dass keine KI beteiligt war. Metadaten und Herkunftsnachweise bei Bildern (EXIF, C2PA) sind davon zu unterscheiden.
Praxisregel
Gehen Sie davon aus, dass KI-Anteile in Ihren Texten erkennbar sein können. Bei Gerichtsgutachten ist das ein Grund mehr, sie offenzulegen; bei Privat- und Versicherungsaufträgen klären Sie es mit dem Auftraggeber.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Amtsblattfassung
eur-lex.europa.eu - Anthropic, How Claude’s text watermark works, 14.08.2026
anthropic.com - Claude Help Center: How Claude marks AI-generated content
support.claude.com
Verwandte Begriffe
- Offenlegungspflicht – Eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht, den KI-Einsatz im Gutachten offenzulegen, gibt es nicht.
- KI-manipulierte Schadensfotos – KI-manipulierte Schadensfotos sind Aufnahmen, die mit KI erzeugt oder verändert wurden; mit bloßem Auge sind sie oft nicht von echten zu unterscheiden.
- KI-Offenlegungsvermerk – Ein KI-Offenlegungsvermerk ist ein Absatz im Gutachten, der beschreibt, ob und wofür KI-Werkzeuge eingesetzt wurden.