Ausführlich erklärt
Kein Anbieter legt vollständig offen, womit sein Modell trainiert wurde. Nach allem, was bekannt ist, bestehen die Korpora zu großen Teilen aus frei zugänglichen Internettexten, Büchern und Programmcode. Kostenpflichtige Regelwerke wie DIN-Normen, VDE-Bestimmungen oder die Fachregeln der Handwerksverbände sind darin allenfalls bruchstückhaft enthalten, oft als Zitat in Foren oder Aufsätzen.
Das hat Folgen. Fragen Sie ein Modell nach dem genauen Inhalt eines Normabschnitts, rekonstruiert es ihn aus solchen Sekundärtexten. Das Ergebnis kann nahe am Original liegen, Fassungen vermischen oder frei erfunden sein, und Sie sehen es der Antwort nicht an. Außerdem übernimmt das Modell die Gewichtung des Internets: Eine verbreitete Halbwahrheit aus Heimwerkerforen kann darin stärker vertreten sein als die korrekte Darstellung in einem Fachkommentar.
Das KI-Grundlagenpapier der Oberlandesgerichte nennt das Trainingskorpus als einen von drei möglichen Bezugspunkten, an denen sich eine KI-Antwort messen lässt (Abschnitt C.III.3.b, S. 59 f.). Für ein Gutachten ist es der ungeeignetste, weil niemand es einsehen kann.
Praxisregel
Beschaffen und prüfen Sie Normen, Grenzwerte und Herstellerangaben immer in der maßgeblichen Originalfassung.
Quellen
- Präsidentinnen und Präsidenten der Oberlandesgerichte, des KG, des BayObLG und des BGH: Grundlagenpapier „Einsatz von KI und algorithmischen Systemen in der Justiz“, 24.04.2026
oberlandesgericht-celle.niedersachsen.de
Verwandte Begriffe
- Wissensstand (Knowledge Cutoff) – Der Wissensstand (Knowledge Cutoff) ist der Zeitpunkt, bis zu dem die Trainingsdaten eines Modells reichen.
- Drei Prüffragen für KI-Antworten – Die drei Prüffragen des KI-Grundlagenpapiers der Oberlandesgerichte prüfen die Qualität einer KI-Antwort: Ist sie richtig? Ist sie relevant? Lässt sie Wesentliches weg?
- Normen und KI-Lizenz – DIN-Normen, VDE-Bestimmungen und Fachregeln sind urheberrechtlich geschützt.