Arbeiten mit KI · Stand 10/2026

Aufzeichnung, Diktat und Transkription

Beim Diktat und bei der KI-Transkription am Ortstermin gilt: Das Diktat der eigenen Feststellungen ist unproblematisch. Wer die Gespräche der Beteiligten ohne deren Einwilligung aufnimmt, riskiert eine Straftat nach § 201 StGB.

Auch gesucht als: Diktat, Tonaufnahme, Transkription, § 201 StGB

Ausführlich erklärt

§ 201 Abs. 1 Nr. 1 StGB bestraft, wer unbefugt „das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt“. Der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Ein Ortstermin ist nicht öffentlich, auch wenn mehrere Beteiligte anwesend sind. Ein Diktiergerät oder eine Transkriptions-App, die während des Gesprächs läuft, nimmt auf. Ob eine Live-Transkription ohne gespeicherte Audiodatei den Tatbestand erfüllt, ist gerichtlich nicht geklärt. Die Kanzlei LUTZ | ABEL verneint das in der Regel, weil es an der Aufnahme auf einen Tonträger fehle. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht: Ob und wie lange eine App Audio zwischenspeichert, wissen Sie meist nicht.

Unabhängig vom Strafrecht verarbeiten Sie mit einer Aufnahme personenbezogene Daten: Stimme, Aussagen, oft Angaben zu Gesundheit oder Mietverhältnis. Die Beteiligten sind zu informieren, und die Plattform, die transkribiert, braucht einen AVV.

Transkriptions-KI macht Fehler, die im Gutachten teuer werden: bei Zahlen und Maßen („fünfzehn“ statt „fünfzig“), Einheiten, Verneinungen („nicht durchfeuchtet“ wird „durchfeuchtet“), Namen und Fachbegriffen. Außerdem glättet sie. Aus einem zögernden „das war wohl so um 2019“ wird schnell „2019“.

Ein Transkript ist Rohmaterial, kein Protokoll. Es gehört nicht ungeprüft in den Befund.

Praxisregel

Diktieren Sie Ihre Feststellungen ohne Mithörer oder nach dem Termin. Soll ein Gespräch aufgenommen werden, holen Sie zu Beginn die Einwilligung aller Anwesenden ein und vermerken Sie sie im Protokoll. Gleichen Sie im Transkript jede Zahl, jedes Maß und jede Verneinung mit Ihren Notizen ab.

Quellen

  1. Strafgesetzbuch, §§ 201, 203
    § 201 (gesetze-im-internet.de) · § 203 (gesetze-im-internet.de)
  2. LUTZ | ABEL, KI-Transkription von Meetings: Datenschutz, § 201 StGB und die Grenzen der Einwilligung, 27.01.2026
    lutzabel.com
  3. Datenschutz-Grundverordnung (EU) 2016/679
    eur-lex.europa.eu

Verwandte Begriffe

  • Stille Lückenfüllung – Stille Lückenfüllung bedeutet: Fehlt einer KI eine Information, ergänzt sie diese häufig aus Allgemeinwissen oder Wahrscheinlichkeit, ohne das kenntlich zu machen.
  • DSGVO – Die Datenschutz-Grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679) regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten.
  • KI-Einsatzprotokoll (Handakte) – Ein KI-Einsatzprotokoll ist die Aufzeichnung darüber, welches KI-Werkzeug Sie in einem Auftrag wofür eingesetzt haben: Datum, Werkzeug, Aufgabe, Unterlagen, Ergebnis und Prüfung.

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