Ausführlich erklärt
Im Gutachten ist die Belegkette selbstverständlich. Die Feststellung zur Rissbreite verweist auf Foto 14 und die Messung im Protokoll, die Anforderung auf den Normabschnitt in der maßgeblichen Fassung. Bei KI-Zuarbeit ist sie das nicht. Ein Sprachmodell liefert von sich aus Aussagen, keine Belege.
Die Belegkette muss man deshalb ausdrücklich verlangen, am Eingang wie am Ausgang. Am Eingang nennt die KI zu jedem Punkt die Stelle mit Seitenzahl, bevor sie etwas daraus ableitet (siehe „Erst Fundstellen, dann Bewertung“). Am Ausgang listet sie Aussagen ohne Fundstelle gesondert auf. Diese Selbstprüfung des Modells ist eine Hilfe, keine Verifikation.
Zwei Fallen werden oft übersehen. Eine Fundstelle kann erfunden sein, auch wenn sie präzise aussieht, etwa „Anlage K7, S. 3“, obwohl Anlage K7 nur zwei Seiten hat. Und eine Fundstelle kann existieren, aber etwas anderes sagen oder für einen anderen Bauzeitraum gelten. Beides zeigt sich erst beim Nachschlagen.
Der Wert der Belegkette liegt darin, dass sie die Prüfung machbar macht. Statt eines Gesamteindrucks prüfen Sie einzelne Verweise, und das geht schnell.
Praxisregel
Verlangen Sie zu jeder sachhaltigen Aussage Dokument, Fassung, Seite und Auszug. Übernehmen Sie die Aussage erst nach dem Abgleich mit der Primärquelle.
Verwandte Begriffe
- Quellenbindung – Quellenbindung ist die Anweisung an die KI, nur mit dem bereitgestellten Material zu arbeiten und jede Aussage mit einer Fundstelle zu belegen.
- Verifikation – Verifikation ist die Prüfung einer KI-Aussage an einer Quelle außerhalb der KI: der Akte, der Norm in der maßgeblichen Fassung, dem eigenen Messprotokoll, einer nachvollziehbaren Berechnung.
- Erst Fundstellen, dann Bewertung – „Erst Fundstellen, dann Bewertung“ ist eine Arbeitsweise, bei der die KI zuerst alle relevanten Textstellen mit Fundstelle zusammenträgt und erst danach Aussagen vergleicht.