Ausführlich erklärt
Ohne diese Vorgabe mischt ein Sprachmodell zwei Quellen: Ihre Unterlagen und sein Trainingswissen. Im Ergebnis ist nicht zu erkennen, was woher kommt. Ein Satz über die erforderliche Anschlusshöhe einer Abdichtung kann aus Ihrer Akte stammen, aus der Erinnerung des Modells an eine Fachregel oder aus einer Verwechslung.
Eine typische Formulierung: „Stütze dich für Tatsachen ausschließlich auf die beigefügten Dokumente. Nenne zu jeder Aussage Dokument, Seite und einen kurzen Auszug. Findest du zu einem Punkt nichts, schreibe ‚keine Fundstelle‘ und ergänze nichts aus eigenem Wissen.“
Drei Einschränkungen bleiben. Das Modell hält sich nicht immer daran, vor allem bei langen Texten. Eine angegebene Fundstelle kann falsch oder erfunden sein. Und ob die Dokumente vollständig verarbeitet wurden oder nebenher eine Websuche läuft, hängt vom Werkzeug ab.
Für Gutachten ist Quellenbindung die Voraussetzung dafür, KI-Zuarbeit mit vertretbarem Aufwand zu prüfen. Einen Satz ohne Fundstelle müssen Sie selbst in der Akte suchen. Wer das unterlässt, prüft nur auf Plausibilität, und genau darin ist die KI am stärksten.
Praxisregel
Verlangen Sie Quellenbindung in jedem Prompt, der Tatsachen liefern soll. Schlagen Sie die genannten Belege trotzdem selbst nach.
Verwandte Begriffe
- Fundstelle / Belegkette – Die Fundstelle ist die genaue Angabe, wo eine Information steht: Dokument, Fassung, Seite, möglichst Abschnitt oder kurzer Auszug.
- Erst Fundstellen, dann Bewertung – „Erst Fundstellen, dann Bewertung“ ist eine Arbeitsweise, bei der die KI zuerst alle relevanten Textstellen mit Fundstelle zusammenträgt und erst danach Aussagen vergleicht.
- Verifikation – Verifikation ist die Prüfung einer KI-Aussage an einer Quelle außerhalb der KI: der Akte, der Norm in der maßgeblichen Fassung, dem eigenen Messprotokoll, einer nachvollziehbaren Berechnung.