Ausführlich erklärt
Die Unterscheidung klingt akademisch. Für Sachverständige ist sie die wichtigste Weichenstellung beim KI-Einsatz. Eine Heizlastberechnung in einer Fachsoftware, die Querschnittsermittlung einer Leitung, eine Flächenberechnung in Excel: deterministisch. Jeder Rechenschritt lässt sich offenlegen und von Dritten nachrechnen. Auch solche Software rechnet falsch, wenn Eingaben oder Annahmen falsch sind, aber der Fehler lässt sich finden.
Bittet man dagegen ein Sprachmodell, „mal eben“ den Druckverlust einer Trinkwasserleitung oder die Sparrenlänge zu berechnen, erhält man eine Zahl mit plausibel aussehender Herleitung. Gerechnet wurde sie nicht zwingend so. Das Modell erzeugt Text über eine Rechnung, keine Rechnung. Manche Werkzeuge können einen Rechner oder Programmcode ausführen; dann rechnet das Werkzeug, sofern es tatsächlich aufgerufen wurde.
Das KI-Grundlagenpapier der Oberlandesgerichte zieht dieselbe Linie: Deterministische, regelbasierte Systeme gelten dort als unproblematisch, weil ihr Ergebnis voll nachvollziehbar ist. Probabilistische Systeme sollen allenfalls vorbereitend eingesetzt werden (Abschnitt E, S. 130).
Praxisregel
Rechnen, Umrechnen und Tabellieren gehören in deterministische Werkzeuge. Das Sprachmodell darf vorschlagen, welche Formel in Frage kommt; Eingaben, Einheiten und Ergebnis prüfen Sie.
Quellen
- Präsidentinnen und Präsidenten der Oberlandesgerichte, des KG, des BayObLG und des BGH: Grundlagenpapier „Einsatz von KI und algorithmischen Systemen in der Justiz“, 24.04.2026
oberlandesgericht-celle.niedersachsen.de
Verwandte Begriffe
- Reproduzierbarkeit – Reproduzierbarkeit ist die Eigenschaft, bei gleicher Eingabe das gleiche Ergebnis zu erhalten.
- Wahrscheinlichkeitsmaschine: Wie Sprachmodelle Text erzeugen – „Wahrscheinlichkeitsmaschine“ ist eine bildhafte Bezeichnung für die Arbeitsweise eines Sprachmodells: Es berechnet für jedes nächste Token Wahrscheinlichkeiten und wählt daraus.
- Assistenz vs. Beurteilung – Die Unterscheidung zwischen Assistenz und Beurteilung ist die Trennlinie, die das KI-Grundlagenpapier der Oberlandesgerichte für die Justiz zieht: Informationsgewinnung, Strukturierung, Organisation und Standardisierung sind assistenzfähig.